Ich verstehe gut, warum wir darauf klicken. Wenn der Nacken seit Wochen hart ist oder der Kopf nachts nicht zur Ruhe kommt, wünschen wir uns nichts mehr als eine klare Anleitung. Trotzdem bin ich nach fünfzig Jahren Arbeit mit Menschen überzeugt: Genau diese Art von Versprechen hält viele Frauen davon ab, das zu finden, was ihnen wirklich guttut.
Dieser Artikel ist der Auftakt einer kleinen Reihe. Ich möchte dich nicht von guten Videos abhalten. Ich möchte dich einladen, genauer hinzuschauen.
Was dir ein Video nicht sagen kann
Ein Video kennt dich nicht. Es weiß nicht, ob du dich gerade von einer Knie-OP erholst, ob du seit dreißig Jahren am Schreibtisch sitzt oder jeden Morgen joggst. Es weiß nicht, ob du schnell frierst oder dir ständig zu warm ist, ob du eher zu viel machst oder zu wenig.
Deshalb kann ein Rat, der für die eine Frau ein Geschenk ist, für die nächste genau das Falsche sein. Nimm die kalte Dusche am Morgen, die gerade überall empfohlen wird. Eine Frau, die morgens schwer in die Gänge kommt, fühlt sich danach vielleicht wach und lebendig. Eine Frau, die ohnehin schnell friert, schlecht schläft und innerlich unruhig ist, setzt ihren Körper damit unter zusätzlichen Stress. Beide haben denselben Tipp befolgt. Bei der einen wirkt er, bei der anderen macht er es schlimmer.
Mir ist es selbst so gegangen. Als ich anfing, mich mit Entspannung zu beschäftigen, hieß es überall: Setz dich hin und meditiere. Ich habe es versucht, und es hat bei mir damals einfach nicht funktioniert. Erst später habe ich verstanden, dass schnelles Gehen mit Aufmerksamkeit auf meinen Atem längst meine Form der Meditation war. Kein Video hätte mir das sagen können.
Warum Ayurveda für mich so wertvoll ist
Genau deshalb begleitet mich der Ayurveda seit vielen Jahren. Er fragt nicht zuerst „Was hilft gegen Rückenschmerzen?“, sondern „Wer ist der Mensch, der Rückenschmerzen hat?“. Er hilft mir zu verstehen, warum die eine Frau Ruhe und Wärme braucht und die andere Bewegung und Herausforderung. Jede Frau, die zu mir kommt, ist ein eigener Mensch mit eigener Geschichte, eigener Konstitution und eigenem Alltag. Ein Plan für alle kann das nicht abbilden.
Das unterschätzte Problem: Niemand schaut hin
Es gibt noch einen zweiten Grund, warum „Wundertipps“ so oft ins Leere laufen, und über den spricht kaum jemand. Selbst wenn eine Übung grundsätzlich zu dir passt: Wer sieht, ob du sie so machst, dass sie dir guttut? Wer korrigiert dich?
Stell dir vor, du machst jeden Morgen die Kniebeugen aus einem Video. Du gibst dir Mühe, und du bleibst sogar dran, was schon schwer genug ist. Aber deine Knie knicken dabei leicht nach innen, und dein Rücken macht einen kleinen Bogen. Du merkst es nicht, denn es fühlt sich ja normal an. Nach ein paar Wochen hast du diese Bewegung hundertfach wiederholt. Du hast deinem Körper etwas beigebracht, nur leider genau etwas, das ihm nicht guttut.
Vor Jahren hatte ich eine Klientin, die begonnen hatte, nach YouTube-Videos Yoga zu üben, weil sie gehört hatte, wie gut Yoga sein soll. Zum Glück kamen ihr bald Zweifel, ob sie sich damit wirklich etwas Gutes tat, und so fand sie zu mir. Nach einigen Sessions hatte sie verstanden, worauf sie für ihren Körper besonders achten darf und fühlte sich sicher, auch zunehmend allein zu üben. Mich hat damals sehr beeindruckt, dass diese Frau ein so gutes Warnsystem hatte.
Bei Dehnübungen ist es ähnlich. Ungeübte sind oft zu vorsichtig und spüren deshalb kaum eine Wirkung. Sportliche Frauen und alle, die viel Yoga machen, übertreiben dagegen gern. Das richtige Maß ist sehr persönlich, und es lässt sich aus keinem Video ablesen.
Ein Video kann nicht nachfragen, wie sich etwas für dich anfühlt. Und es kann nicht sagen: „Stopp, lass uns das anders machen.“
Gute Videos gibt es, nur woran erkennst du sie?
Damit wir uns richtig verstehen: Es gibt richtig gute Gesundheitsvideos von Menschen, die viel wissen und sorgfältig arbeiten. Ich mache selbst Videos auf YouTube. Das Problem ist, dass du als Laiin kaum beurteilen kannst, welches Video gut ist und welches nicht. Oft merkst du es erst, wenn deine Beschwerden stärker werden statt schwächer. Und dann ist das Vertrauen in den eigenen Körper meist noch kleiner als vorher.
Und was heißt das für dich?
Ich möchte dir eine Frage mitgeben: Wie viele Tipps hast du dir in den letzten Monaten gespeichert, und wie viele davon hast du tatsächlich für dich umgesetzt?
Wenn die ehrliche Antwort „kaum einen“ ist, liegt das nicht an dir. Es liegt daran, dass ein Tipp, bei dem du nicht im Mittelpunkt stehst, selten funktioniert. Veränderung, die bleibt, beginnt mit der Frage, was du ganz persönlich momentan brauchst. Und mit kleinen Schritten, die zu deinem Leben passen und die du umsetzen willst, nicht musst.
Vielleicht magst du dich auch fragen: Suche ich nach dem perfekten Plan, weil ich hoffe, dass mir dann jemand die Entscheidung abnimmt? Oder bin ich bereit herauszufinden, was mein Körper mir eigentlich sagen will?
Lass uns gemeinsam durch den Informationsdschungel gehen
Wenn du nicht länger allein zwischen tausend Tipps suchen möchtest, lade ich dich zu einem kostenlosen Kennenlerngespräch ein. Wir schauen gemeinsam auf dich: was dich gerade beschäftigt, was du schon ausprobiert hast und was davon überhaupt zu dir passt. Du gehst mit mehr Klarheit aus dem Gespräch, egal ob wir danach weiter zusammenarbeiten oder nicht.
Kostenloses Kennenlerngespräch reservierenIn den nächsten Teilen dieser Reihe schaue ich mir einzelne Bereiche genauer an: Bewegung, Ernährung, Abschalten und die Frage, warum gute Vorsätze so selten halten.
Ayurveda-Lifestyle-Coach, Sport- und Yogatherapeutin und Expertin für Faszientraining. Mit 68 lebt sie selbst, was sie weitergibt. Sie begleitet Frauen ab 50 dabei, gesund und beweglich älter zu werden. Mehr über Christine
Dieser Artikel gibt allgemeine Anregungen und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Neue oder anhaltende Schmerzen bitte immer ärztlich abklären lassen.